Interview mit Friedhelm Harsch zur Pflegeausbildung unter Corona-Bedingungen

erschienen am 13.03.2021 in den Nürnberger Nachrichten

Pflege: Vielfalt für ein ganzes Berufsleben
Friedhelm Harsch Schulleitung Martha-Maria

100 Jahre Krankenpflegeschule Martha-Maria in Nürnberg

Mit Verantwortungsbewusstsein und Empathie

Die Schule für Krankenpflege am Martha-Maria-Krankenhaus in Nürnberg feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag. Wir haben mit dem Friedhelm Harsch über die Geschichte und das heutige Berufsbild in der Pflege gesprochen. Der 62-Jährige leitet die Schule seit 1994.

 

Herr Harsch, 100 Jahre Krankenpflegeschule – was gibt es da genau zu feiern?

Harsch: Für uns ist das mehr als nur eine stolze Zahl. Ausbildung in der Pflege hatte in Martha-Maria von Anfang an eine herausragende Bedeutung. 1920 wurden Nordbayern zwei Schulen gegründet – eine am Nürnberger Klinikum und eine hier. Man hat einfach gemerkt, wie wichtig der Nachwuchs ist. Zuvor war das mehr ein Anlernen – Training on the job würde man heute sagen.

 

Wie hat sich die Ausbildung seither verändert?

Harsch: Bis 1957 gab es nur 400 Theoriestunden, heute sind es 2.100. Das zeigt, dass die Ausbildung auf einer viel breiteren theoretischen Grundlage steht – was auch notwendig ist. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland war unterschiedlich – im Osten etwa war die Ausbildung schon relativ früh sehr gut durchstrukturiert.

 

Wie hat sich das Berufsbild der Pflege verändert?

Harsch: Früher war man mit dem Krankenhaus quasi verheiratet. Es war während der Ausbildung üblich, auf dem Gelände zu wohnen und man war jederzeit verfügbar. Ein Kollege von mir war als Schüler im zweiten Ausbildungsjahr ein halbes Jahr nur im Nachtdienst eingesetzt – das ist heute undenkbar. In der Pflege galt bis in die 1990er Jahre eine Arbeitszeitverordnung aus den 1930er Jahren. Die Strukturen haben sich nur sehr langsam verändert.

 

Woran lag das?

Harsch: Das Berufsbild war sehr lange an die Diakonie und ihre Struktur gebunden. Da war der familiäre Charakter selbstverständlich. Bis in die 1960er Jahre waren Schwesternschülerinnen mehrheitlich Diakonissen.

 

Seit diesem Jahr sind Alten- und Krankenpflegeausbildung zusammengelegt. Was hat sich bei Ihnen dadurch verändert?

Harsch: Wir mussten zunächst eine neue Schule gründen, vor allem aber haben sich die Inhalte von Theorie und Praxis verändert. Der Start verlangt uns viel ab – die detaillierten Lehrpläne muss jede Schule selbst erstellen, das ist sehr aufwändig. Ich halte die Idee aber für sehr sinnvoll, weil wir damit eine bundesweit einheitliche Basis erhalten. Bis 2024 läuft das jetzt erstmal so, dann wird vom Ministerium geprüft und bewertet.

 

Sie haben viele junge Menschen in der Ausbildung begleite. Was muss man für den Pflegeberuf mitbringen?

Harsch: Verantwortungsbewusstsein und Empathie. In der Ausbildung geht es dann darum, diese Empathie professionell zu transformieren. In diesem Beruf sind Sie richtig, wenn Sie sich anderen Menschen in schwierigen Lebenslagen persönlich zuwenden können. Das ist entscheidend.

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