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Cannabis in Palliativmedizin kein Wundermittel

Viele Gäste aus dem Bereich der palliativen Versorgung in Halle und Umgebung erlebten die neueste Auflage von „Palliativ – (Er)leben“ am 25. September 2019.

Mit dieser Fortbildungsveranstaltung betrachtet die Klinik für Innere Medizin II und das Team der Palliativstation jedes Jahr aktuelle Themen der Palliativmedizin. In den Blick kam in diesem Jahr insbesondere die Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV), die von den niedergelassenen Hausärzten und Allgemeinmedizinern verantwortet und gestaltet wird.

Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, zu der auch die Palliativstation gehört, begrüßte die Gäste.
Frau Dipl.-Med. Petra Wienke, Hausärztin aus Halle, unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und der Palliativstation im Krankenhaus. Da sich rund 90% aller Palliativpatienten in der hausärztlichen Versorgung befänden, sei die fürsorgliche Begleitung des Patienten und seiner Angehörigen durch die Hausärztin, beziehungsweise durch deren Versorgungsassistentin, von großer Bedeutung. Diese ende auch nicht mit dem Übergang in eine SAPV oder in eine stationäre Versorgung.
Das weite Feld der Schmerzbehandlung durch Cannabis wurde von Frau Dr. med. Lilit Flöther, Oberärztin und Palliativmedizinerin am Universitätsklinikum Halle, aufgegriffen. Sie erläuterte die medizinische Verwendung von Cannabis und synthetischen Cannabioiden, die seit 2017 in Deutschland möglich ist. In der Praxis kommt Cannabis vor allem bei Tumorschmerzen und in der Behandlung von Begleitsymptomen zur Verwendung. Aufgrund der geringen Datenmenge bei Studien sei eine allgemeine Empfehlung zum Einsatz von pflanzlichem Cannabis und von synthetischen Cannabinoiden nicht möglich. Insbesondere die Inhalation von Blütenextrakten sei aufgrund der variablen Konzentration des Wirkstoffs nicht zu empfehlen. Die Verwendung von synthetischen Cannabinoiden mit geringerem Wirkstoffgrad sei besser kontrollierbar und müsse langsam gesteigert werden. Im Einzelfall könne Cannabis helfen, es sei aber kein Wundermedikament.
Oberärztin Dagmar Roloff, Palliativmedizinerin am Krankenhaus Martha-Maria, schloss die Vortragsreihe mit einem Beitrag zum Off-Label-Use von Medikamenten in der Palliativmedizin ab. Der Einsatz eines zugelassenen Arzneimittels außerhalb der geprüften und genehmigten Anwendungsgebiete ist ein häufig gewählter Weg in der Behandlung von Palliativ-Patienten. Möglich sind Abweichungen unter anderem von der Indikation, der Dosierung und der Anwendungsart. Die Verwendung im Off-Label-Use bedürfe allerdings neben einer aufklärenden Kommunikation mit dem Patienten einer sorgfältigen Dokumentation und Überprüfung, da die Haftungsrisiken vom Pharmaunternehmen auf den verordnenden Arzt übergehen. Patienten würden sich in der Regel gerne auf diese Alternative einlassen, wenn die Gabe der Medikamente nicht per Infusionskatheter sondern als Injektion oder in Tablettenform stattfinden würde. Die interessierten Nachfragen im Anschluss an die Vorträge unterstrichen die Bedeutung der Themen. Geschäftsführer Pastor Markus Ebinger dankte dem Team der Palliativstation für die Durchführung der Veranstaltung.

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Dagmar Roloff ist leitende Oberärztin der Palliativstation im Krankenhaus Martha-Maria

Dagmar Roloff ist leitende Oberärztin der Palliativstation im Krankenhaus Martha-Maria

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