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Nach Vorbereitungen von über einem Jahr ging vom 19. - bis 21. April 2017 ein außergewöhnliches Schulprojekt auf Anregung des Krankenhaus Martha-Maria in Zusammenarbeit mit der Palliativstation und der Seelsorge, sowie der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft e.V., dem Puppentheater Halle, einer Psychologin, einer Kunst- und Musikpädagogin sowie Eltern, Lehrern und Schülern der Lessing Grundschule an den Start.

„Jonas“ ist eine fast lebensgroße Puppe, extra für das Schulprojekt gestaltet vom Puppentheater Halle. Er steht für die Kinder, die nicht allein gelassen werden wollen mit ihren Fragen, was mit ihren engsten Verwandten und Freunden im Falle von unheilbaren Krankheiten geschieht. „Die tote Maus“ auf dem Feldweg ist der Ausgangspunkt, auf den sich Jonas Fragen an seine Eltern zum Sterben seines Opas und zu Tod und Krankheit ganz allgemein aufbauen. Die meisten Antworten bleiben die Eltern in dem kurzen Theaterstück, das von Ralf Meyer geschrieben wurde, ihrem Sohn schuldig. Sie reagieren eher hilflos wenn Jonas, sie zum Beispiel fragt „glaubt ihr, ich hätte Opa weniger lieb gehabt, wenn ich ihn besucht hätte, als er krank und schlecht aussehend in seinem Bett gelegen hat? Habt ihr mich weniger lieb wenn ich krank bin?“ 

Die Hilflosigkeit der Eltern im Stück soll anregen zum Nachdenken, wie wir in unserer Gesellschaft mit dem Thema Krankheit und Sterben umgehen, warum das so sehr tabuisiert wird, dass Kinder oftmals mit ihren Fragen und Ängsten allein gelassen werden, weil man nicht darüber spricht.

Nach einer Vorbereitungszeit von über einem Jahr mit den Eltern und den Lehrern begann das Projekt am 19. April in der Schule mit dem Theaterstück für die Kinder.

In drei Tagen wurde das Projekt durchgeführt, davon 2 Tage in der Schule in Arbeitsgruppen, hier „Blüten“ genannt und einen Tag im Krankenhaus. Um den Kindern die Scheu zu nehmen besuchten sie im Krankenhaus zusammen mit Jonas, der Puppe, die Radiologie, wo dessen Kopf geröntgt wurde. In der Physiotherapie lernten sie, wie es sich anfühlt mit Krücken, Gehwagen oder Rollator unterwegs zu sein. In der Notaufnahme wurden bei einigen Kindern Blutdruck und Herzfrequenz gemessen. Auf der Palliativstation hörten die Kinder mit Hilfe des Stethoskops ihr Herz schlagen. Zudem erfuhren die kleinen Gäste, wie wichtig im Krankenhaus die Händehygiene ist. Am letzten Tag wurden die Ergebnisse im Krankenhaus Martha-Maria dann den Eltern präsentiert. Da ging es um das Darstellen von Gefühlen, das szenische Nachstellen von Situationen am Krankenbett, um Entspannung mit ungewöhnlichen Musikinstrumenten und die Beantwortung vieler Fragen.

Lehrer und Eltern waren sehr beeindruckt, dass sich die Kinder ohne Vorbehalte auf das Projekt eingelassen hatten. Ganz im Gegensatz zu den Erwachsenen, denn im Vorfeld wurde das Projekt von einigen Eltern sehr skeptisch gesehen. Die Frage „Warum mit Kindern ein solches Thema bearbeiten?“ musste das Projektteam mehr als einmal beantworten.

Kinder in unserer Gesellschaft werden häufig von dem Prozess des Abschiednehmens ausgeschlossen, um sie vermeintlich zu schützen. Die Erfahrungen der Pflegenden, z.B. auf der Palliativstation, zeigen jedoch, dass Kinder eher verunsichert sind, wenn sie nicht eingebunden werden und man nicht mit ihnen darüber redet. „Jonas will´s wissen“ steht daher für die Fragen der Kinder und die Bereitschaft der Erwachsenen, diese Fragen ehrlich zu beantworten und nicht damit alleine zu lassen. Die Kinder für diese Erfahrungen stärken und vor allem aufzuklären ist ein Ziel des Projektes.

Erfahrungen zeigen, dass Offenheit gegenüber den Themen unheilbare Krankheit, Abschied und Tod ist nicht nur wichtig für die Kinder, sondern auch für die Eltern und für den Patienten ist. Darum haben wir, mit Unterstützung unserer Martha-Maria Stiftung, der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft und den hoch qualifizierten Projektmitgliedern dieses Konzept entwickelt. Ein besonderer Dank gilt auch den Lehrern der Grundschule, die ebenfalls von dem Projektgedanken überzeugt waren und uns die Umsetzung mit ihren Schülern und deren Eltern ermöglichten. Das Projekt soll nach dieser Anlauf- und Testphase nächstes Jahr an weiteren Schulen in die zweite „Runde“ gehen.

Ilka Hammer, Projektleiterin

Impressionen vom Jonas Schulprojekt
  • Jonas diskutiert mit seinen Eltern
  • Das Jonas-Projektteam
  • Theaterstück "Jonas will´s wissen" in der Turnhalle der Lessingschule
  • Unterwegs im Krankenhaus Martha-Maria - Physiotherapie
  • In der Röntgenabteilung: Jonas wird geröntgt
  • Jonas erschöpft
  • Schülergruppe mit Frau Schober im Gelände unterwegs
  • Notaufnahme
  • Präsentation der Ergebnisse. Die "Sorgenfresser"
  • "Den Klang spüren"
  • "Musik heilt die Seele und lindert den Schmerz"
  • Röntgenbild von "Jonas"
  • Schwester Anja von der Palliativstation
  • Inès Brock, Psychologin, mit den Kindern aus ihrer "Blüte" (Arbeitsgruppe)
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Projektleiterin Ilka Hammer (im Bild rechts) mit Anja Flier (Stationsleiterin Palliativstation) und Puppe Jonas

Projektleiterin Ilka Hammer (im Bild rechts) mit Anja Flier (Stationsleiterin Palliativstation) und Puppe Jonas

Mit "Jonas-Mappe" unterwegs im Gelände des Krankenhauses

Mit "Jonas-Mappe" unterwegs im Gelände des Krankenhauses

24.4.2017 Scheckübergabe mit OB Dr. Bernd Wiegand: Projekt Jonas wird von der Sparkasse gefördert

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