Der Kinderkrankenpflege gehnt der Nachwuchs aus. Jessica Irmler, stellvertretende Stationsleitung am Krankenhaus Martha-Maria St. Theresien, spricht in unserem Pflege-Podcast über die Herausforderungen.
Als Jessica Irmler um die Jahrestausendwende ihre erste Stelle als Kinderkrankenschwester am Krankenhaus Martha-Maria angetreten hat, war die Kinderkrankenpflege noch eine andere.
Bevor die Kinder die Mütter in der Früh das erste Mal sehen durften, sind sie schon einmal durch die „Waschstraße“ gekommen – von der Nabelpflege, über das tägliche Baden und Eincremen bis hin zu eventuellen Blutabnahmen haben die Kinderkrankenschwestern die Pflege komplett übernommen.
Jessica Irmler resümiert:
„Der Arbeitsalltag war mehr auf Pflege ausgerichtet.“
Beratung und Beziehungsaufbau im Fokus
Im Lauf der Jahre hat sich die Perspektive gewandelt. Das Baden übernehmen die Nachsorgehebammen und das Waschen ist nur noch ein Alltagsbestandteil, damit es die Schüler lernen können – und auf expliziten Wunsch der Eltern.
„Wir haben gemerkt, dass die Eltern die Informationen nach der Geburt kognitiv nicht verarbeiten können.“
Teilweise haben sie am nächsten Tag schon nichts mehr von dem gewusst, was ihnen erklärt worden ist.
Deshalb liegt der Fokus in der Kinderkrankenpflege am Krankenhaus Martha-Maria St. Theresien mittlerweile auf Beratung, Bonding und Beziehungsaufbau. Dementsprechend kommen „viele Mamas zu uns, die beim ersten Kind Probleme mit dem Stillen hatten.“
Der trübe Blick in die Zukunft
Obwohl die Arbeit also sehr bereichernd sein kann, gibt es kaum noch Auszubildende in der generalistischen Pflegeausbildung, die sich für die Kinderkrankenpflege entscheiden. „Den meisten ist es zu gruselig“, sagt Jessica Irmler trocken.
Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass gerade einmal 120 von weit über 2.000 Praxisstunden in der Generalistik in der Pädiatrie absolviert werden. Das ist auch perspektivisch herausfordernd. Mit Blick in die Zukunft sagt sie: „Die Basics fehlen komplett. Wenn das Wissen einmal verloren geht, ist das echt blöd.“
Kleine Erwachsene und Kooperationen
Warum sind Kinder eben keine kleinen Erwachsenen? Wie lösen wir das Problem, dass es bei uns eigentlich nur gesunde Kinder gibt? Und: Wie gelingt es Jessica ihre Begeisterung für die Kinderkrankenpflege trotz der Probleme aufrecht zu erhalten?
Diese und weitere Fragen beantwortet Jessica Irmler im Gespräch mit Christian in der 72. Folge von „gut gepflegt“, dem Pflege-Podcast aus dem Unternehmen Menschlichkeit.
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